Sehen und Aussehen

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Das pralle Leben in Freudenberg

Freudenberg. Die Siegener Künstlerin zeigt im Kulturflecken „Sprich- und Wortwörtliches“ – mit viel Humor und Heiterkeit.

ray - Dass Inge Beyer sich in den vergangenen Jahren einen Namen im Siegerland gemacht hat, zeigte die Resonanz bei ihrer Vernissage am Sonntagvormittag: Die Räumlichkeiten des Kulturfleckens waren so gut besucht, dass die Kunstinteressierten aufpassen mussten, sich nicht auf die Füße zu treten. Einige Bilder fanden sogar sofort Abnehmer. Unter dem Motto „Sprich- und Wortwörtliches“ stellt die Siegenerin ihre Werke in den nächsten zwei Wochen aus.

Als Autodidaktin viel freier und selbstständiger

Auf ein einziges Bildgenre festgelegt hat sie sich dabei nicht, Beyers Bilder sind Kompositionen naiver Malerei. Als Autodidaktin hat sie nie Malunterricht genommen, sondern ihren ganz eigenen künstlerischen Stil entwickelt. „So gesehen ist es gut, weil man dann viel experimentiert und viel freier und selbstständiger malt“, sagt sie. „Ich bin ein fröhlicher und lebensbejahender Mensch, und meine Bilder zeigen Situationen wie aus dem Leben gegriffen.“ Beim Betrachten ihrer Kunstwerke spiegelt sich diese Heiterkeit und ihr Sinn für Humor wider. Ihr Bild „Jedem seinen Vogel“ vereinigt ihr Ausstellungsmotto dabei ganz vortrefflich: Drei Frauen und zwei Männer sind abgebildet, und jede Person ist im Besitz eines kleinen Vögelchens, dessen Federkleid sich dem Kleidungsstück seines Besitzers anpasst. So bringt Beyer Sprichwörter auf die Leinwand und regt die Betrachter zum Schmunzeln an. Und das ist genau das, was sie möchte.

Die Malerei ließ die Optikerin nie los

Weil ihr Vater, von Beruf Optiker, damals zu ihr meinte, sie solle doch etwas Vernünftiges lernen, statt sich hauptberuflich der Malerei zu widmen, schlug Inge Beyer zunächst denselben Weg wie ihr Vater ein. Auch heute arbeitet sie noch als Optikerin. Doch die Malerei ließ die Kunstbegeisterte nie los und nahm immer mehr Raum in ihrem Leben ein.

Einfallsreiche Einfachheit

Nach zahlreichen anderen Orten kommt nun auch Freudenberg in den Genuss ihrer Werke. Die Ölgemälde bestechen nicht durch romantisch-verspielte Ästhetik, sondern vielmehr durch übersichtliche Motive, die mit geraden und klar von einander abgegrenzten Linien alltägliche oder alltäglich anmutende Situationen zeigen. „Ich male das pralle Leben“, sagt Inge Beyer über ihre Motive. Oftmals zeigt sie Menschen, Liebespaare, Feierlichkeiten, aber auch Tiere, die sie parodistisch in Szene setzt und die durch ihre einfallsreiche Einfachheit überzeugen. So kann der Betrachter von Beyers Bildern immer etwas sehen und sie zugleich verstehen.

„Hintersinnige“ Vorbilder wie Ringelnatz oder Morgenstern

Ihre Bilder finden ihre Vorbilder in Lyrikern wie Joachim Ringelnatz oder Christian Morgenstern. Beide sind für ihren Sprachwitz und den „Hintersinn“ bekannt, der sich oftmals erst nach dem zweiten oder dritten Blick vervollständigt. Das macht auch Beyer, wenn sie einen Kater neben einer Flasche Schnaps malt und ihr Bild „Katerfrühstück“ nennt, oder wenn drei Fußgänger mit Kinderwagen die Straße auf einem Zebra überqueren. Ihre Bilder sind stets mit einem leichten Augenzwinkern geschaffen.

Quelle: Siegener Zeitung